Die Greenpeace-Aktivisten machen mobil … – Das nächste Auto kommt wahrscheinlich von den Umweltaposteln höchstselbst. Foto: WebAutoBlog.com

Das Leben spielt mit uns. Es steckt voller Überraschungen. Doch weil es kurz ist, kann etwa die späte Erkenntnis schmerzen, seinen Beruf verfehlt zu haben. Weil schlummerndes Talent einfach nicht geweckt und verpasst wurde, die offenkundige Begabung auf die berufliche Karrierebahn zu lenken. Jammerschade. Entsprechendes Bedauern muss Wolfgang Lohbeck quälen, seines Zeichens Verkehrsexperte bei Greenpeace Deutschland. Der Mann hätte es wirklich zu weit mehr bringen können! Gucken lassen hat er das dieser Tage höchstselbst, als er sich kritisch zu Volkswagens neuem Golf äußerte, der medialen Wirkung wegen kurz vor der anstehenden Weltpremiere des Golf VII in der Neuen Nationalgalerie in Berlin.

Lohbeck mosert, die bisher bekanntgewordenen Verbrauchswerte des neuen Golf seien „weit entfernt“ von dem, was „technisch möglich und klimapolitisch notwendig“ wäre. Zur Sache: Volkswagen schickt den Golf VII mit einem Durchschnittsverbrauch von 3,3 Liter Diesel bzw. 4,8 Liter Super auf die Straße. Der Kraftstoffverbrauch des neuen Golf habe – verglichen mit den Werten seines Vorgängers – um bis zu 23 Prozent reduziert werden können, verlautet aus Wolfsburg. Den Greenpeace-Experten beeindruckt das nicht. Er setzt dagegen, ein zeitgemäßer Golf müsse 100 Kilometer mit nur 2,9 Liter DieseI bzw. mit 3,4 Liter Benzin bewältigen. Das Sparrezept liefert seine Aufschrei-Organisation gleich mit. Allerdings stammt es nicht von Greenpeace. Und neu ist es auch nicht. Längst handelt die internationale Autobranche danach, selbstverständlich auch Volkswagen. Die Zutaten: Abspecken, Start-Stopp-System, Zylinderabschaltung, elektrisch angetriebene Nebenaggregate, Leichtlaufreifen, Rückgewinnung von Bremsenergie usw. usf.

Verdacht kommt auf. Es kann nicht anders sein: Greenpeace muss eine Zauberformel haben, mit der sich praktisch jeder Wunschverbrauch erreichen lässt. Sollte nicht der Zeitpunkt gekommen sein, die Wunderformel im Interesse zügigen Fortschritts an der Umweltfront den Entwicklungsabteilungen sämtlicher Automobilhersteller zu verraten?

Vermuten muss man, dass Greenpeace noch mehr „auf Tasche“ hat. Auch wenn die Aufschrei-Organisation beim Zaubern nur einen Wunsch pro Jahr frei haben sollte, wird sie 2013 wohl einen VW Golf kreieren, der mit zwei Liter Diesel auskommt, um dann 2014 in furiosem Endspurt die spektakuläre Einlitermarke zu entern.

Dass Lohbeck & Co. auf hoher intellektueller Ebene sticheln, beweist die Greepeace-Argumentation, die im Grunde auf die Albernheit hinausläuft, Volkswagen sei durchaus in der Lage, einen Golf mit einem Kraftstoffverbrauch um 2,9 Liter Diesel oder 3,4 Liter Benzin zu bauen, wolle das offensichtlich aber gar nicht.

Vielleicht will der größte europäische Autobauer einfach nur der von Greenpeace geweckten Vorstellung Einhalt gebieten, eines Tages könnten effiziente Verbrennungsmotoren Kraftstoff sogar zurück in den Tank fördern. Dass selbst das funktioniert, schließen Greenpeace-Experten offenbar nicht aus. Autohersteller müssen es natürlich wollen. (WebAutoBlog/Wolfram Riedel)

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